Blogger-Reise nach Serbien lässt kulturelle Vielfalt erleben

Vor einigen Wochen erhielt ich eine Einladung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für eine Blogger-Reise nach Serbien.  Schön, denn bei dieser Reise geht es nicht nur um den Austausch von serbischen und deutschen Bloggern, Vloggern (Video-Blogger) und Influencern, es geht auch darum, gemeinsam Geschichten einzelner Menschen zu erfahren und darüber zu schreiben.

Serbien ist noch nicht Mitglied der EU, aber auch dem Wege dorthin. Die GIZ begleitet Serbien bei dem „Bewerbungs- und Eintrittsverfahren”. Ein spannendes Angebot. Was hilft hier besser, als unsere europäischen Nachbarn bzw. zukünftige EU-Mitglieder kennenzulernen?

Europäische Identität beinhaltet vor allem kulturelle Vielfalt. Damit sich einzelne Nationen und Mensch besser verstehen, ist es notwendig sie kennenzulernen. Ein Grund mehr auch die europäischen und angrenzende Nachbarländer zu bereisen, denn so lernen viele die Vielfalt und Unterschiede verschiedenster Kulturen und Länder kennen und ein wenig mehr verstehen.

Die ist auch der Grund, warum ich der Einladung zur Blogger-Reise „Zehn plus Zehn“ nach Serbien folgte.

Einladung zum Event Zehn plus Zehn

Einladung zum Event „Zehn plus Zehn” der GIZ in Serbien.

Das Blogger-Treffen fand vom 14. bis zum 16. Juni 2017 in der serbischen Hauptstadt Belgrad und Umgebung statt. Eingeladen und initiiert wurde dieses Treffen von der GIZ. Sie unterstützt Serbien bei dem Prozess zum EU-Beitritt. Zusammen mit serbischen Partnern steht hierbei der Aspekt der „Hilfe zur Selbsthilfe“ in dem Vordergrund. Sie helfen beispielsweise Initiativen in ländlichen Gebieten Serbiens, damit die Bewohner vor Ort arbeiten und leben können. Denn gerade in den ländlichen Gebieten herrscht Landflucht.

Viele Dörfer sind nahezu ausgestorben. Junge Menschen und Familien finden hier weder Arbeit noch adäquate Aus- bzw. Weiterbildung. Initiativen, die das Leben in diesen Gebieten wider lebenswert machen, werden von der GIZ unterstützt.

Europäische Union wächst mit gegenseitigem Verständnis

Eine Basis für das Zusammenwachsen verschiedenster Nationen in einer Union wie der EU ist das Verständnis füreinander. So wurden zehn deutsche Blogger eingeladen um zusammen mit zehn serbischen Bloggern Menschen und Geschichten kennenzulernen. Wir fuhren durch das Land, interviewten Menschen und deren Schicksale und tauschten uns über das Bloggen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus.

Die Story, welche ich wählte hat den Titel „A picture of a different life!“ – also ein Blick ein Bild auf ein anderes Leben. Und so war es auch.

Blick auf ein anderes - unterschiedliches - Leben

Blick auf ein anderes – unterschiedliches – Leben

Die drei Blogger-Musketiere

Genauso bunt und vielfältig wie die EU war unser Bloggertrip der „Zehn plus Zehn” organisiert von der GIZ. Der serbischer YouTuber Milan Inic, bekannter als Yasserstein, die Mode- und Lifestylebloggerin Corinna Stabrawa mit ihrem Blog wingsaregolden.com und ich mit meinen Storys auf Story-Baukasten.de (58) trafen in dem serbischen Dörfchen Vlaško Polje auf Milomir Petrovic, genannt Miša. Er ist Betreiber der „Urlaubsfarm“ Kolibia.

Milan und Corinna sprechen mit Miša.

Obwohl wir zusammen unterschiedlicher nicht sein können, haben wir eines gemeinsam: Wir möchten von dem, was wir lieben und tun, überleben!

Was haben Blogger und Vlogger aus Serbien, Österreich und Deutschland mit einem Topuristitik-Framer gemeinsam? Alle möchten von dem, was wir lieben und tun, überleben! Klick um zu Tweeten

YouTuber trifft auf Mode-Bloggerin und Story-Bloggerin

Milan Inic aka Yasserstain war der Benjamin unter uns. Mit knapp 22 Jahren ist er bereits seit 8 Jahren als Vlogger im YouTube-Geschäft. Er ist so erfolgreich, dass er beispielsweise in Restaurant von Fans um Selfies gebeten wird und einen Werbevertrag mit Fanta hat. Mittlerweile studiert Milan an der Akademija umetnosti Novi Sad – Academy Of Arts.

In seinen Videos erklärt er mit Freunden lustig und in Sketchen diverse Themen. Seine Zielgruppe sind 10 bis18-Jährige. In dem folgenden Video zeichnet er sein Leben.

Corinna traf als Lifestyle- und Mode-Bloggerin (29) aus Wien ein. Da ihre Story mit zum Thema Mode kurzfristig platzte, kam sie zu unserer Gruppe. Sie betreibt ihren Blog Wingsaregolden.com.

Neben ihrem Interesse für junge coole Designer arbeitet Corinna im Eventmanagement und in der Tourismusbranche.

Mich, also Pia, kennt ihr ja – ansonsten erfahrt ihr hier mehr über mich in dem Interview mit der Ki Robby.

Wir trafen auf Miša (52) auf seiner Farma Kolba (Link Facebook) mit seiner jüngsten Tochter, seiner Frau und dem 70jährigen Vater.

Milomir Petrovic posiert vor seinem Quad auf der (Urlaubs)Farm Kolibia wie ein Großwildjäger.

Milomir Petrovic posiert vor seinem Quad auf der (Urlaubs)Farm Kolibia wie ein Großwildjäger.

Der ehemalige Fotograf Misa lebt seit 2009 im Ostserbien in dem Dörfchen Vlaško Polje. Das Dörfchen liegt ca. 850 Meter über den Meeresspiegel, nahe dem Städtchen Knjaževac im Bezirk Zaječar. Der nahe Skiresort Babin Zub bietet zahlreiche touristische Attraktionen.

Von Belgrad aus sind es ca. 3 Stunden Fahrt mit dem Auto – zunächst über die Autobahn, dann Landstraßen und später kleinen Wege, wo Schildkröten den Fahrweg passieren. Das Dörfchen scheint mehr eine Ansammlung an Häuser – ohne erkennbaren Dorfkern, Kirche, Schule, Gaststätte oder Einkaufsmöglichkeiten. Auf dem Weg begegnen einem Menschen, eine Bauer, der seinen Sense trägt, ein Hirte treibt seine Herde Schaafe heim, Feldarbeiten schichten das Stroh mit Mistgabeln. In dieser idyllischen Umgebung scheint die gute alte Zeit stehen geblieben zu sein. Beim genaueren Hinschauen fallen mir die vielen verlassenen und zerfallenen Häuser auf, die Menschen in dieser Gegend scheinen alle alt, selbst die Hunde.

Internetempfang, WLAN, einen Bar, Gaststätten oder Hotels gibt es hier nicht. Dafür gibt es Ruhe, Wanderwege, Möglichkeiten zu Radeln, Klettern und Angeln. Mica hat dies mit in seinem Konzept eingebaut: Entspannung und Ruhe in der Natur, mit einem Pool, Pferden, Schaffen, einem Esel und vieles mehr.

Natur und Idylle verbunden mit Tieren, einem Pool und Quads bietet Milomir Petrovic den Besuchern seiner Farm Kolibia.

Natur und Idylle verbunden mit Tieren, einem Pool und Quads bietet Milomir Petrovic den Besuchern seiner Farm Kolibia in Serbien.

Der aus dem Dorf stammende Vater von Mišas meinte, dass sein Sohn hier nie Urlauben hinbekommen würde. Und doch funktioniert es: Den Urlaubern stehen Wohnungen zur Verfügung und falls es mit den Unterkünften eng wird, helfen die Dorfbewohner gerne aus.

Und jeden Abend hat der Vater die Aufgabe die 20 Schaafe mit dem Quad wider in der Stall zu hetzen – „Das gibt halt gutes Fleisch und macht Spaß“, kommentiert Miša.

Doch diese Art von Tourismus bieten mittlerweile einige Dörfer an. Mišas besonderes Rezept ist der Adrenalinkick: Er bietet Quadtouren durch die Natur an.

So begrüßen uns vor Ort einige Gäste, die mich sofort an den Hollywoodfilm „Born to be wild“ erinnern. Statt Harley Davidson gibt es halt Quads und neben den Biker Jacken fließt reichlich Alkohol. Und dann geht rauf, auf die vierrädrigen Quads.

Nach deutschen Sicherheitsstandards darf man hier nicht fragen: Helme gibt es nicht, Schnaps scheint ein Muss und schon sitzen nach Adrenalin und Fun dürstende Urlauben auf den Quads – zunächst hinten drauf und dann darf man auch selbstständig fahren – wenn man mutig ist. Ich beobachte lieber alles vom Jeep aus – übrigens gemeinsam mit meinen zwei Blogger-Kollegen.

Während ich die Quadtour im Jeep verfolge und den Staub, die kaputten Felder und den Krach der Motoren bemerke, scheint das Konzept von „zurück zur Natur“ nicht ganz stimmig bzw. konsequent durchdacht zu sein. Auch der Kontakt zu den anderen Dorfbewohnern oder gemeinsame Projekte sind nicht in Sicht.

Laut Miša  gilt: „Hier ist halt viel Platz und solange wir uns nicht gegenseitig die Butter vom Brot nehmen, ist alles gut.“ Ein karges Leben, denn die Quadtouren und der Tourismus laufen im Winter nicht.

Quad-Tour in Ostserbien. Foto by Corinna Stabrawa

Quad-Tour in Ostserbien. Foto by Corinna Stabrawa

Leider gab es kaum Möglichkeiten sich direkt mit Miša auszutauschen, da er weder englisch noch deutsch spricht. Milan dreht eine Dokumentation, er übersetzt unserer Fragen und fasst Mišas Antworten zusammen.

Bloggeraustasch in Belgrads Hub

Zurück in Belgrad trafen sich sämtliche Blogger zum Austausch.

Insgesamt waren der Austausch und die Gespräche mit den Bloggern aus Serbien sehr interessant. So scheint es dort kein Problem zu sein, von den Blogs zu leben. Die Konkurrenz ist nicht sehr groß.

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