Das German Folks House in Austin

Vor einigen Wochen fand in Austin, Texas die South by Southwest (kurz SXSW) statt. Das seit 1987 jährlich stattfindende SXSW-Event vereint Festivals, Konferenzen und Fachausstellungen in den Bereichen Music, Film and Interactive  und ist an der Zahl seiner Bühnen gemessen eines der größten der Welt. In diesem Jahr zog es über 250 Deutsche nach Texas, um an dem Event teilzunehmen.

Michael Praetorius ist Geschäftsführer der NOEO GmbH.

Michael Praetorius ist Geschäftsführer der
NOEO GmbH.

Meine Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook  zeigten mir immer wieder Informationen rund um Michael Praetorius, einem Mann der auszog, um in Texas eine German-Folks-WG zu gründen. Ich stellte Michael Fragen zur Veranstaltung und (s)einer Initiative.

Michael lebt als Publizist und Medienberater in München und Berlin und leitet die Geschäfte der NOEO GmbH. Er ist langjähriger TV- und Hörfunkjournalist sowie Dozent für Journalismus, Medienmanagement und Social Media. Privat agiert er als Video-Blogger in der Münchner Isarrunde und Berliner Spreerunde.

Interview

Q: Michael, ich sehe eine Tendenz, dass nun bei diversen Messen und Kongressen Infuencer, Blogger und Medieninteressierte gemeinsam eine Unterkunft suchen, um sich neben der Konferenz auszutauschen oder auch als Gruppe aufzutreten und gemeinsame Aktionen zu starten?

A: Die SXSW ist nicht nur für Medienschaffende Interessant. Medienleute hatten in diesem und letzten Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Konferenz, auf der die Herausforderungen hier schon fast antiquiert und vergessen wirken. Auf der SXSW sind viele Nutzungsszenarien für diese 10 Tage einfach Alltag, die anderenorts noch als Zukunftsszenarien diskutiert werden. Gerade das Musikfestival, das kurz nach der Tech-Konferenz beginnt ist ein großer Motor.

Q: In diesen Jahr pilgerten über 250 Deutsche nach Austin; woher kommt dieser Trend deiner Meinung nach?

A: Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Trend ist. Curt Simon Harlinghausen, Pascal Fantou und ich hatten vor drei Jahren das erste Mal eine kleinere Reisegruppe zur SXSW in Austin Texas geplant. Statt in Hotels zu wohnen und mit Geschäftspartnern vor Ort am Abend essen zu gehen, hatten wir uns entscheiden, gemeinsam in einem Privathaus zu wohnen, das wir uns über Airbnb gemietet hatten.

Die Initiatoren vom German Folks House in Austin sind Curt Simon Harlinghausen, Michael Praetorius und Pascal Fantou.

Die Initiatoren vom German Folks House in Austin sind Curt Simon Harlinghausen, Michael Praetorius und Pascal Fantou.

Q: Und worin besteht der Vorteil zu einer üblichen Hotelunterkunft?

A: Das gemeinsame Erleben: Morgens hatten wir gemeinsam gefrühstückt und Abends gekocht und dazu unsere Geschäftspartner und Freunde vor Ort eingeladen. Beim Frühstück erzählten wir uns, was jeder für sich auf der Konferenz erlebt hatte. Via YouTube konnte man uns beim Frühstück zusehen, was recht schnell eine große Aufmerksamkeit unter unseren Kontakten hatte. Im zweiten Jahr gab es über 60 Bekannte und fremde Personen, die uns begleiten wollten, so dass wir mit einem Haus nicht mehr auskamen.

Q: Und wie entwickelte sich die Initiative weiter? Auf der Webseite germanfolkshouse.com schreibt ihr: „Live von der SXSW 2015: Eine Woche lang wohnten Experten der Digitalbranche, Entwickler, Designer, Musiker, Politiker und Journalisten auf engstem Raum zusammen.“

A: Aus unserem einen German Folks House wurden mehrere Häuser während der Konferenz, wobei wir der Idee mit der Frühstückssendung und den gemeinsamen BBQs und Treffen in den Häusern treu geblieben sind. Und erneut gab es große Aufmerksamkeit. Im dritten Jahr sind es nun über 250 Kontakte von uns und den Kontakten aus den Vorjahren geworden, die uns zur SXSW nach Austin begleitet haben und mit uns in verschiedenen Häusern und Unterkünften (vom Wohnwagen bis zum Matratzenlager) gewohnt haben.

Q: Worin besteht der Reiz bzw. die Unterschiede zwischen der SYSW und europäischen Events?

A: Die SXSW unterscheidet sich von anderen Konferenzen durch ihre Themenvielfalt. Die Kombination aus Filmfestival, Musikfestival und Tech-Konferenz zieht sehr viele unterschiedliche Charaktere und Unternehmen an, die in einem engen Zeitfenster diverse Blickwinkel auf dieselben Themen ermöglichen. Das macht es auch für die Reisegruppe interessant, in der ebenfalls unterschiedliche Erwartungen und Interessen sind.

Q: Michael, welche Idee stand hinter dem „German Folks House“-Konzept?

A: Die Idee eines German Folks House war, einen Anlass zu schaffen, dass sich unterschiedliche Teilnehmer einer Konferenz in einem sehr privaten Umfeld austauschen und kennenlernen. Das Wiedersehen auf Konferenzen und Kennenlernen ist oft recht oberflächlich. Wer zehn Tage gemeinsam in sehr ungewöhnlicher Weise zusammenwohnt, kommt verändert zurück und hat einen anderen Draht zu diesen Kontakten. Davon profitieren alle Teilnehmer. Je größer die Gruppe wird, desto schwieriger ist es natürlich diese privaten Momente zu ermöglichen. Das ist in jedem Jahr die Herausforderung gewesen. Neben den privaten Unterkünften gab es tagsüber auch noch ein gemeinsames Deutsches Haus, das für Panels, Startup-Pitches und Parties diente. Natürlich waren die Deutschen Teilnehmer nicht rund um die Uhr unter sich. Das wäre ja irrsinnig, schließlich geht es ja auch um den Austausch mit Kreativen Köpfen aus aller Welt, die nach Austin kommen. Aber es gab einen regelmäßigen Austausch und Treffpunkt in den Häusern.

Das Fazit von Curt Simon Harlinghausen lautete dann auch:

Michael, merci für die Antworten und kommendes Jahr versuche ich mit nach Austin zu pilgern.

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