So erschafft man Helden

In Klaus Ecks PR-Blogger habe ich ein Interview mit Change-Coach Uwe Walter zu Storytelling: Was macht uns zu Helden wie Nelson Mandela? veröffentlicht.

Sein kann ich nur unterstreichen; es lautet: Geschichten machen erfolgreich!

Thema: Was macht uns zu Helden wie Nelson Mandela?

Thema: Was macht uns zu Helden wie Nelson Mandela?

Storytelling und Heldenreise

Ausgangssituation war mein Besuch der Storytelling-Masterclass in der RTL-Journalistenschule in Köln. Dort ging ich mit Uwe und Seminarkollegen auf Heldenreise.

Eins vorweg: Es waren zwei sehr emotional bewegende Tage, in der fast alle Teilnehmer mehr als einmal die Tränen in den Augen hatten.

Erwartet hatte ich Techniken und ein Handwerksrüstzeug für das Erzählen von Marken- und Produktgeschichten nach dem Heldenreise-Prinzip von Joseph Campbell für den Einsatz in PR und Marketing.

Bin dann mal weg um eine Heldin zu werden!

Letzte Woche traf ich Seminarkollegin und Bloggerin Joan de Groot in München fragte auch sie nach ihren Erwartungen an das Seminar:

„Was ich erwartet habe? Viel! Ich hatte ‚Die Heldenreise‘ (als PDF Dokument auf der Website von Waltermedia als Download verfügbar) schon vorab gelesen. Es hat mich von Anfang an fasziniert. Außerdem spürte ich wohl intuitiv das diese ganze Thematik alles mit mir zu tun hat. Dementsprechend habe ich viel erwartet. Für mich ging es dabei von Anfang darum, das Wesentliche und Archetypische beim Schreiben von Geschichten zu entdecken und die Umsetzung zu erlernen.

Erhalten haben wir, die Seminarteilnehmer, eine neue Sicht auf uns und das Leben. Was habe ich mitgenommen? Alles was ich begreifen und behalten konnte! Also wahnsinnig viel!

Durch den vielen Beispiele in Film-, Foto- oder Textformat wurde das ganze Konzept der Heldenreise sehr transparent und begreiflich gemacht.

Überraschend und beeindruckend war dabei für mich die Art und Weise ,wie Uwe Walter durch das Seminar führte: sein riesiger Erfahrungsschatz und sicheres Know-how  haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Storytelling Masterclass ein durchschlagender Erfolg wurde.

Seine Begeisterung für das, was er lehrt ist ansteckend, vor allem weil es spürbar ist, wie sehr es diese ‚Art Geschichten zu erzählen‘ nicht nur lehrt, sondern auch lebt! Dabei sind seine Emotionalität und Zugänglichkeit berührend und bilden das wirklich große Plus, wodurch dieses Seminar zu einer echte persönlichen Entdeckungsreise wird.

Und ja, ich habe genau das gelernt wofür ich gekommen bin: ein Werkzug in die Hand zu bekommen, wodurch ich lernen kann archetypisch stimmige Geschichten erzählen zu können.

Alles andere kommt durch Übung und Fleiß!“

Und ganz nach Joseph Campbells Heldenreise hat Joan dann diese Reise erschaffen: Bin dann mal weg um eine Heldin zu werden!

Joan schreibt:

… Wir gehen auf Abenteuer und machen eine Heldenreise. Wie bitte? Was? Ja, eine Heldenreise. So wie in den echten spannenden Geschichten. Nur das DU hier der Held oder die Heldin sein wirst!  Wir fangen einfach dort an wo du jetzt bist, und ich will dich etwas fragen: Wie lebst du? Was hättest du gern anders? Wonach sehnst du dich? Welche Träume liegen tief begraben in deinem Unterbewusstsein? …

Und nun zum Interview mit Uwe Walter und der Heldenreise nach Joseph Campbell:

Uwe, die Heldenreise von Joseph Campbell – in drei Akten und zwölf Punkten – kannst du sie kurz skizzieren?

Uwe Walter: In der Heldenreise beschreibt Joseph Campbell den Urkern aller Geschichten, den Monomythos. Egal, ob wir uns über Songs, PR-Texte oder News Gedanken machen, in der Tiefenstruktur, sobald man etwas Distanz zur Sache gewinnt, steckt in jedem Erzählprodukt dieser Urkern, der in 12 Stufen unterteilt ist.

Es geht immer um einen Auslöser, der auf den Fluss unseres bisherigen Lebens trifft. Das kann etwas Wünschenswertes sein (Traum) oder etwas Gefährliches (Trauma). Auf jeden Fall wird unser bisheriges Leben in Frage gestellt.

Dann beginnt die Auseinandersetzung: Schaffen wir es, unser altes Leben hinter uns zu lassen und uns in der neuen Welt zu entwickeln und zu behaupten? Verlieren wir diesen Kampf und sind in einer Tragödie gefangen? Oder gewinnen wir ihn? Gelingt es uns, das erlangte Wissen nach der Rückkehr in unsere alte Welt behutsam umzusetzen, so dass es sich sinnvoll entfalten kann?

Was Aristoteles mit Anfang, Mitte und Ende bezeichnet, nenne ich

  1. Auslöser (1. Akt)
  2. Auseinandersetzung (2. Akt) und
  3. Aufbau (3. Akt).
Die Heldenreise in 12 Stufen.

Die Heldenreise in 12 Stufen.

Lass mich ein Beispiel skizzieren:

 Heldenreise von Nelson Mandela

  • 1) Gewohnte Welt: Den Ureinwohnern Südafrikas wird massives Unrecht angetan. Nelson Mandela spürt das am eigenen Leib. Er stammt aus dem afrikanischen Königshaus Thembu. Seinem Vater werden von den Weißen seine Ämter und sein Vermögen entzogen. Mandela erhält wichtige Beinamen, die ausdrücken, welche Hoffnungen in den kleinen Sohn gelegt werden: „der an dem Ast zieht“ und „Gründer des Rates“. Auch sein Vorname mahnt an: „Nelson“. Er wird von seinem winzigen Dorf Qunu auf die sozial engagierte Anti-Apartheid-Schule gebracht, die von englischen Protestanten geleitet wird.
  • 2) Der Ruf zum Abenteuer: Die Befreiung und rechtliche Gleichstellung der Ureinwohner Südafrikas. Dieser Ruf ist sehr alt und reicht weit vor die Zeit von Mandelas Geburt. In seinem Leben taucht dieser Ruf massiv auf.
  • 3) Verweigerung des Rufes: Die Repressalien der Weißen und Denkmodelle seines Volkes engen Mandela ein. So soll er z.B. früh verheiratet werden – der Brautpreis ist bezahlt. Doch er entschließt sich, in die Großstadt Johannesburg zu fliehen.
  • 4) Begegnung mit dem Mentor: Mandela hatte einige Mentoren. Zu Beginn begleitet ihn Walter Sisulu, ehemaliger Generalsekretär des ANC. Er ist der Sohn eines weißen Beamten und einer schwarzen Mutter. Sisulu bringt ihn zum Jurastudium und zum ANC. Auch James Stewart, ein anglikanischer Missionar und Wegbereiter der Befreiungsidee im 19. Jahrhundert wird für Mandela zu einer zentralen Figur.
  • 5) Überschreiten der ersten Schwelle: Mandela protestiert mit 23 Jahren in seiner Universität gegen die schlechte Verpflegung. Danach gibt es ein Ultimatum der College-Leitung: er darf Einlenken oder wird vorübergehend suspendiert.
  • 6) Bewährungsproben, Verbündete, Feinde: Mandela tritt mit 26 Jahren dem „African National Congress“ (ANC) bei, der sich für die Gleichstellung der Rechte einsetzt. Mit 34 Jahren erhöht Mandela den Druck auf die Apartheid und startet die „Deviance Campaign“. Hatte der ANC vor dieser Anti-Apartheid-Kampagne ein paar tausend Mitglieder, sind es jetzt mehr als Hunderttausend. Mandela wird zu ihrem Führer.
  • 7) Vordringen zur tiefsten Höhle: Das Massaker von Sharpeville. Viele tausend Menschen unternehmen einen Friedensmarsch gegen eine Polizeistation, um absichtlich (weil nicht im Besitz des vorgeschriebenen Passes) gefangen genommen zu werden. Dort werden über 60 Menschen erschossen. Mandela rückt in den Untergrund und baut militärischen Widerstand auf, um die Apartheid zu besiegen.
  • 8) Entscheidungskampf: Mandela wird vor Gericht gestellt und erklärt sich in einer vierstündigen Rede am 20. April 1964 bereit, für seinen Apartheidskampf zu sterben. „I am prepared to die“.
  • 9) Belohnung und Ergreifen des Schwertes: Der Richter schickt Mandela für Jahrzehnte ins Gefängnis. Ab hier finden unzählige weitere Kämpfe und viele Aktionen statt. Der Widerstand gegen die Apartheid wächst international und mündet z.B. in ein Konzert am 11. Juni 1988 mit den größten Musikern dieser Zeit mit 72.000 Besuchern.
  • 10) Rückweg: 1990 wird Nelson Mandela aus der Haft entlassen. In einer Rede vor 120.000 Menschen am Tag seiner Freilassung nach 26 Jahren Haft fordert er sein Land nicht zur Rache, sondern zur Versöhnung auf.
  • 11) Wiederauferstehung: Mit überwältigender Mehrheit wird in der ersten freien Wahl nach der Apartheid der ANC zur stärksten Kraft in Südafrika gewählt. An der Spitze steht Nelson Mandela als erster schwarzer Staatspräsident. Die Gleichstellung aller Rassen ist erreicht.
  • 12) Rückkehr mit dem Elixier: Bei der Rugby-Weltmeisterschaft führt Mandela im Team-T-Shirt die Springboks auf das Spielfeld. Mit dieser Geste auf dem Rugby-Rasen, einer Sportart die lange den Weißen vorbehalten war, zeigt Mandela deutlich, dass sie Teil des neuen Südafrika sind. In dem Film „Invictus“, der dieses Ereignis auf eindrückliche Weise wiedergibt,  kehrt Mandela zurück in sein Heimatdorf Qunu, in dem er als Schafhirte die glücklichste Zeit seines Lebens verbracht hat. Nun genießt er seine Zeit in Freiheit – das ultimative Ziel der Heldenreise.

Merci Joan und Uwe für Euren Beitrag.

So, nun eine Frage an Euch, liebe Blogleser: Wer ist denn Euer Held und warum?

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